Muster G:
Wir sprechen deshalb von Muster G, weil es als Ausdruck von Gesundheit und als Hinweis auf ein gesundheitsförderliches Verhältnis gegenüber der Arbeit gelten kann. Es sind klare, aber nicht exzessive Ausprägungen in denjenigen Dimensionen festzustellen, die das Engagement gegenüber der Arbeit anzeigen. Am stärksten ausgeprägt ist hier der berufliche Ehrgeiz. Hingegen werden in der subjektiven Bedeutsamkeit der Arbeit und der Verausgabungsbereitschaft zwar durchaus hohe, aber nicht die höchsten Werte erzielt. Hervorzuheben ist insbesondere die gute Distanzierungsfähigkeit trotz hohen Engagements. Auch in den Dimensionen der Widerstandsfähigkeit und des Bewältigungsverhalten von Belastungen entsprechen die vorgefundenen Werte den Erwartungen einer „gesunden" Verhältnisses zur Arbeit. Das betrifft sowohl die geringste Resignationstendenz aller Muster gegenüber Mißerfolgen als auch die stärkste Ausprägung in den Bereich der offensiven Problembewältigung, der inneren Ruhe und der Ausgeglichenheit. Schließlich wird das Bild h durch die ausnahmslos höchsten Werte in den Dimensionen, die positive Emotionen zum Ausdruck bringen, d. h. im beruflichen Erfolgserleben, der Lebenszufriedenheit und dem Erleben sozialer Unterstützung abgerundet.
{fusionchart id="19" Burnouttest Typ G}
Muster S:
Mit der Musterbezeichnung S soll „schonendes" Verhalten bezeichnet werden, das bei diesem Muster das Verhältnis zur Arbeit charakterisiert. Es finden sich die geringsten Ausprägungen in der Bedeutsamkeit der Arbeit, dem beruflichen Ehrgeiz, der Verausgabungsbereitschaft und dem Perfektionsstreben. Hinzu kommt hier die im Vergleich mit allen anderen Mustern am stärksten ausgeprägte Distanzierungsfähigkeit. Ebenfalls prägnant ist die niedrige Resignationstendenz, die darauf hindeutet, daß das „entspannte" Engagement nicht etwa als Ausdruck einer resignativen Grundeinstellung zur Arbeit gewertet werden darf. Die übrigen Werte, insbesondere die relativ hohen Ausprägungen der inneren Ruhe und der Ausgeglichenheit, der Lebenszufriedenheit und des Erleben sozialer Unterstützung, zeigen vielmehr ein insgesamt positives Lebensgefühl an. Zum „schonenden" Verhalten kommt somit noch relativ hohe Zufriedenheit als wesentliches Kennzeichen dieses Musters. Diese Zufriedenheit und das positive Lebensgefühl speisen sich dabei wohl vorwiegend aus Quellen außerhalb der Arbeit. Generell sollte dieses Muster weniger unter dem Aspekt der Gesundheit, sondern eher unter dem der Arbeitsmotivation von Interesse sein.
{fusionchart id="26" Burnouttest Typ S}
Risikomuster A:
Dieses Muster ist durch überhöhtes Engagement gekennzeichnet. Im Vergleich mit allen anderen Mustern liegen hier die stärksten Ausprägungen in der Bedeutsamkeit der Arbeit, der Verausgabungsbereitschaft und dem Perfektionsstreben vor. Brisant wird diese Ausprägung insbesondere in Verbindung mit dem eindeutig niedrigsten Wert in der Distanzierungsfähigkeit, womit angezeigt wird, daß es Menschen dieses Profils am aller schwersten fällt, Abstand zu Ihren Problemen in Arbeit und Beruf zu gewinnen. Hervorzuheben ist außerdem, daß das außerordentlich starke Engagement zudem mit verrinderter Widerstandsfähigkeit gegenüber Belastungen einhergeht.
Hierauf weisen zum einen die geringe Ausprägung der inneren Ruhe und Ausgeglichenheit und zum anderen der relativ hohe Wert der Resignationstendenz hin.
Darüber hinaus kann bei diesem Muster von eher negativen begleitenden Emotionen gesprochen werden. Darauf weisen die relativ geringen Werte in der Lebenszufriedenheit und im Erleben sozialer Unterstützung deutlich hin. Insgesamt ist das Bild also dadurch charakterisiert, daß hohe Anstrengung keine positive emotionale Entsprechung findet. Es geht hier im Grunde um das Spannungsverhältnis, das Siegrist (1991) als die sog. „Gratifikationskrise" bezeichnet. Kennzeichen der „Gratifikationskrise" ist die Kombination von sehr hohem Arbeitseinsatz bei gleichzeitig ausbleibendem Erleben von Anerkennung. Hiervon scheinen deutlich stärkere pathogene Wirkungen, u. a. ein Herz-Kreislauf-Risiko, auszugehen. Generell kann in den beschriebenen Verhaltens- und Erlebensbesonderheiten dieses Musters ein enger Bezug zu dem vieldiskutierten Typ-A-Verhaltenskonzept gesehen werden, weshalb hier auch vom Risikomuster A gesprochen wird. In seiner ursprünglichen Fassung (Friedman und Rosenman, 1974) postuliert das Typ-A-Konzept den Zusammenhang von koronarer Herzerkrankung und einem Verhaltensmuster, das durch übersteigertes und andauerndes Engagement, starken und konkurrierenden Ehrgeiz, Ruhelosigkeit sowie Unfähigkeit zu Erholung und Entspannung gekennzeichnet ist. In der jüngeren Vergangenheit mehrten sich jedoch die kritischen Stimmen gegen eine „zu vereinfachende typisierende Beschreibung von Verhaltensbesonderheiten infarktgefährdeter Personen" (Schröder, 1992). Neuere Erkenntnisse legen nahe, daß ein Lebens- und Verhaltensstil wie ihn der typische „workaholic" an den Tag legt, für sich allein genommen noch keine krankmachende Wirkung haben muß (vgl. auch Richter und Schmidt, 1988 sowie Richter, Rudolf und Schmidt, 1995). Das eigentliche „pathogene Wirkelement" sieht Schröder (1992) denn auch in der Verbindung des beschriebenen Verhaltensmusters mit negativen Gefühlen. Erst dann ergebe sich ein Persönlichkeitsbild, das seiner Auffassung nach nicht nur das Risiko der Infarktgefährdung, sondern ein generelles Krankheitsrisiko bedingen könne. Diese spezifische Konstellation von übersteigertem Arbeitsengagement und negativen Emotionen dürfte sich im Risikomuster A sehr weitgehend widerspiegeln.
{fusionchart id="20" Burnouttest Risikotyp A}
Risikomuster B:
Zum Erscheinungsbild des Risikomusters B gehören zunächst geringe Ausprägungen in den Dimensionen des Arbeitsengagements und hier besonders hinsichtlich der subjektiven Bedeutsamkeit der Arbeit und des beruflichen Ehrgeizes. In dieser Hinsicht bestehen Gemeinsamkeiten mit dem Muster S. Im Unterschied zu S geht das verminderte Engagement jedoch gerade nicht mit erhöhter, sondern mit eingeschränkter Distanzierungsfähigkeit einher. Auch alle weiteren Merkmale zeigen im Vergleich mit dem Muster S geradezu entgegengesetzte Ausprägungen. So sind in den Dimensionen der Widerstandsfähigkeit und des Bewältigungsverhaltens gegenüber belastenden Situationen mit der höchsten Resignationstendenz sowie der geringsten Ausprägung in der offensiven Problembewältigung und der inneren Ruhe und Ausgeglichenheit besonders kritische Werte zu finden. Zusätzlich problematische Faktoren sind die durchweg niedrigsten Ausprägungen in all den Dimensionen zu sehen, die das Ausmaß von Zufriedenheit und Wohlbefinden wiedergeben, d. h. im beruflichen Erfolgserleben, der Lebenszufriedenheit und dem Erleben sozialer Unterstützung. Generell ist das Muster B durch vorherrschende Resignation, Motivationseinschränkung, herabgesetzte Widerstandsfähigkeit gegenüber Belastungen und negative Emotionen gekennzeichnet. Gerade solche Erscheinungen zählen Freudenberger (1974), Maslach (1982) u. a. zum Kern des Burnout-Syndroms. Als Verdeutlichung dieser Gefährdung wird hier vom Risikomuster B gesprochen. Burnout ist vor allem durch reduziertes Engagement anderen Menschen und der Arbeit gegenüber sowie durch ein Bündel von emotionalen Beeinträchtigungen gekennzeichnet (Burisch 1989). Zu letzteren dürfte vor allem ein allgemeines Erschöpfungserleben, verbunden mit Gefühlen der Hoffnungslosigkeit und Niedergeschlagenheit zu zählen sein.
{fusionchart id="18" Burnouttest Risikotyp B}
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